|
 |
|
copyright by
Magnus Manske |
Viel
ist wahrhaftig nicht vom einstigen Weltwunder der
Antike geblieben. Lediglich eine einzige wieder
aufgerichtete Säule ragt symbolisch aus der
großflächigen Grabungsstätte, aus der ab 1869
englische und später österreichische Ausgräber die
Fundamentreste des Tempels zurück ans Tagelicht
holten.
Die
Bauarbeiten des ersten steinernen Tempels begannen
nach der Zerstörung der z.T. hölzernen
Vorgängerbauten um das Jahr 560 v.Chr.. Bauherr war
der Lyderkönig Kroisos. Die Bauarbeiten dauerten
ungewöhnliche 120 Jahre. Inschriften zur Folge war
Rhoikos von Samos erster Architekt. Ihm folgten
Chersiphron von Knossos und sein Sohn Metagenes,
zuletzt Demetrios und Paionios aus Ephesos, die ihn
um 440 v. Chr. nach Beendigung der Perserkriege
vollendeten.
Auf
einer Fläche von ca. 100 x 50 Metern
waren über 100 reich verzierte
Marmorsäulen von 18 bis 19 Meter
Höhe aufgereiht, die schwere
Querbalken trugen. In der Cella, dem
Allerheiligsten des Tempels, war
eine vermutlich aus Weinrebholz
gefertigte und mit Gold und Silber
verkleidete, etwa 2 Meter hohe
Statue der Artemis aufgestellt. Das
Dach wurde aus Zedernholz gefertigt.
Am 21.
Juli 356 v.Chr. ging der Tempel der
Artemis von Ephesos in Flammen auf.
Überliefert ist, dass ein Mann
namens Herostratos, der durch das
Niederbrennen des Weltwunders
berühmt und somit unsterblich werden
wollte, sein Vorhaben in die Tat
umsetzen konnte. Wahrscheinlicher
ist aber wohl, dass ein Blitz in das
Dach des Tempels einschlug und
dadurch der Brand ausgelöst wurde.
Eine "göttliche" Ursache wie ein
Blitzschlag hätte die Priester zu
der Zeit wohl in Erklärungsnot
gebracht. Der Sage nach soll in
der Nacht des Brandes Alexander der Große geboren
sein. Artemis war in dieser Nacht nicht anwesend.
Sie weilte in Pella um die Geburt Alexanders zu
überwachen. So konnte sie ihr Heiligtum im Ephesos
nicht schützen. Ein weiterer Mythos um die Gestalt
Alexanders.
Schon bald nach dem
Brand wurde auf dem Schutt des alten Tempels ein
neuer, noch aufwendigerer, größerer Tempel
errichtet. Der neue Tempel wurde auf einer 3 Meter
hohen, mit umlaufenden Stufen versehenen Plattform
errichtet. 127 Säulen von 18 Metern Höhe trugen das
reich verzierte Steindach. Erster Architekt war der
Epheser Cheirokrates. Die gesamte Bauzeit betrug bei
diesem, dem letzten Tempelbau an die 100 Jahre.
Alexander der Große bot 334 v.Chr. auf seinem
Eroberungszug nach Ägypten an, sich an den Kosten
des Tempelneubaus zu beteiligen. Um unabhängig zu
bleiben, lehnten die stolzen Epheser ab. Schließlich
bescherte das Artemision der Stadt und seinen
Bürgern erhebliche Einnahmen und sicherte den
ungewöhnlichen Reichtum vieler seiner Bürger. Als der
Apostel Paulus auf seiner zweiten Missionsreise 55
bis 58 n.Chr. in Ephesos predigte, hatte er einen
solchen Zulauf, dass sich die örtlichen
Devotionalienhändler, die vom lukrativen Verkauf
kleiner Artemisfiguren u.ä. lebten, in ihrer
wirtschaftlichen Existenz bedroht fühlten. Im 19.
Kapitel der Apostelgeschichte wird berichtet, dass
der Silberschmied Demetrios den Mob gegen die
Christen und Paulus aufwiegelte.
Der Prachtbau wurde 262
n.Chr. ebenso wie die Stadt Ephesos von den
anrückenden Goten zerstört. Die Reste wurden später
von den Einwohnern der ephesischen Nachfolgesiedlung
Hagios Theologos unterhalb des Zitadellenhügels als
Baumaterial verwendet.
Quelle: Wikipedia u.a.
|