Rundreise Ost mit Öger Tours

21. September bis 05. Oktober 2002

Teil 11 - Göreme -

 

 

 Elfter Tag   (02.10.2002)


6.30 Uhr Wecken, Abfahrt 8.00 Uhr.

Als wir morgens auf den Parkplatz kamen, stand Bahri mit "unserem" Bus dort. Er war in der Nacht angekommen.

Ein Tag in Kappadokien stand uns bevor.

Die Entstehung Kappadokiens basiert auf Ausbrüchen der drei Vulkane Erciyes, Melendiz und Hasan während der geologischen Perioden.
Durch das Austrocknen von Asche, Lava und Vulkangestein an der Luft, bildete sich das weiche Tuffgestein, das als großes Plateau hervortrat. Nach Beendigung der vulkanischen Aktivitäten setzte die Erosion in Form von Stürmen, Regenfällen und Erdbeben ein, die die Landschaft bis heute formt.
Die Erosion formte das Plateau mehr und mehr, schuf Rinnen und Hügel. Die Rinnen wurden im Laufe der Zeit zu Tälern umgeformt, die immer breiter wurden.
Von der Erosion nicht oder nur kaum betroffene Berghänge nahmen andere Formen an als die exponierten Lagen. Sie bildeten kegel- oder zylinderförmige Formationen, mit verschieden großen, flachen und kegelförmigen Hüten aus hartem Basaltgestein. Wieder andere Felsen haben spitze Oberteile, große Hauptkörper und runde oder verschiedenförmige Hauptkörper.

 

Noch heute ist die Erosion am Werk. Tiefe Schluchten durchziehen einst ebenen Boden.

Die Farben der Tuff-Formationen reichen von leuchtendem Rot über gelb-ocker-bräunliche Töne bis zum Grau-Grün.

Die erste Station dieses Tages war Derinkuyu, eine der unterirdischen Städte, 40 km entfernt. Bahri fuhr fast nur Nebenstraßen, die uns die schönsten Ansichten offenbarten.

In Derinkuyu und Kaymakli befinden sich die berühmtesten der zahlreichen unterirdischen Städte der Gegend. Es werden bis zu 100 unterirdische Anlagen vermutet, von denen etliche über Kilometer hinweg untereinander verbunden waren. Nur wenige dieser Verstecke sind heute dem Tourismus zugänglich. In den unterirdischen Räumen fanden die frühen Christen über Jahrhunderte hinweg Schutz vor den Mongolen, Arabern und selbst vor den Fanatikern der Ikonoklasten.

Die Städte waren mit allen Erforderlichkeiten des täglichen Lebens ausgestattet: Gemeinschaftsküchen, Vorratslager, Tierställe, Schlafräume, Kapellen, selbst Leichenhallen. Ein ausgeklügeltes Lüftungssystem mit rund 15.000 Schächten sorgt für relativ gute Luft bis in die untersten Etagen. Mit gewaltigen Rollsteinen, die wie Mühlsteine aussehen, konnten die Gänge verschlossen werden.

Die unterirdische Stadt Derinkuyu ist mit ihren 8 freigelegten und beleuchteten Stockwerken die größte der zu besichtigenden Anlagen Kappadokiens. Ungefähr 10.000 Menschen sollen hier Zuflucht gefunden haben.

 

Ich selbst war nicht mit nach unten gegangen. In den vergangenen Jahren war ich insgesamt drei Mal in Kaymakli, der zweiten großen unterirdischen Stadt hier in der unmittelbaren Umgebung. Überhaupt, ich war nun zum fünften Mal in Kappadokien, aber ich hatte schon auf den letzten Reisen festgestellt: Es gibt immer wieder etwas Neues zu sehen.

Während unsere Gruppe sich durch die engen Gänge des künstlich angelegten Höhlensystems zwängte, unterhielt ich mich in Begleitung von einigen anderen aus unserer Gruppe mit den anwesenden Ladenbesitzern. Die kleine Lokanta in der Nähe des Eingangs hatte gerade erst geöffnet. Es war noch zu früh. Der Cayi musste erst noch ziehen.

Dafür lud uns der Besitzer des angrenzenden Ladens ein, unseren Tee bei ihm zu trinken. Er konnte leidlich Deutsch und im Nu waren wir von Einheimischen umringt, die ich allesamt zum Tee einlud. Tja, irgendwie empfand ich es als störend, als unsere Gruppe wieder auftauchte und wir weiter mussten

 

Unsere Rundfahrt führte uns zuerst nach Uchisar, dem "ältesten Hochhaus" der Welt.

Der Burgberg von Uchisar ist vollständig ausgehöhlt. Die Zugänge zu den einzelnen Räumen können, genau wie in den unterirdischen Städten, in den meisten Fällen mit einer großen Steinscheibe verschlossen werden.

 

 

Als der Bus im Dorf von der Durchgangsstraße Richtung Felsen abbog, freute ich mich auf eine Besichtigung der Anlage. 1998 war ich einmal oben. Die Rundumsicht ist unvergleichlich. Schließlich ist Uchisar die höchste Erhebung innerhalb dieses Gebietes. Ein Besuch war aber leider nicht vorgesehen. SELO verwies auf das hohe Eintrittsgeld.

 
 

Unterhalb des Burgberges tut sich eine für mich faszinierende Welt auf. Zwischen diesen Felskaminen leben Menschen, wohnen teilweise am oder im Tuff. Versuchen, ihr Leben zu fristen.

Haben kleine Gärten und Äcker angelegt, ja sogar kleine Teestuben für Touristen, die sich in das Gewirr der Felsnadeln verirren, sind zu finden.

Leider ließ uns SELO keine Zeit für meinen Spaziergang.

Vor dem Mittagessen stand der Besuch einer so genannten Teppichfabrik auf dem Programm.

Und hier muss ich den einzigen, aber riesengroßen Kritikpunkt dieser Reise setzen. An wessen Adresse meine Kritik zu richten ist, weiß ich nicht. Ob an Öger Tours, die diese Besuche vorschreiben, oder an SELO dem Reiseleiter; keine Ahnung.

Wir hatte gerade einen Tag in einer faszinierenden Landschaft, die auch nur annähernd zu erfassen, mehr als eine Woche dauern würde. Und wo werden wir hingefahren? In eine Teppichfabrik, in eine Töpferei und eine Onyxfabrik. Über drei Stunden vergeudet.

Es regt sich aber niemand darüber auf. Weil die meisten zum ersten Mal in Kappadokien sind nicht überblicken können, was man ihnen statt dessen hätte zeigen können.

 

Mittagessen gab es in einer der Touristen- Massenabfertigungs-Fresshallen am Taubental. Mit 20 Leuten anstellen zur Suppe, anstellen zum Brot, anstellen zum Nachtisch.

Dass es auch in Kappadokien anders geht, habe ich 1996 auf meiner ersten Kappadokienreise mit Nazar erlebt.

Hier kann nachgebessert werden!

 

Nach dem Mittagessen stand das Freilichtmuseum und Kirchental Göreme auf dem Programm.

Das Göreme-Tal weist heute sage und schreibe 350 Kirchen auf.  Zwischen dem 4. und 13. Jhd. n. Chr. war hier ein reges Klosterleben zu verzeichnen. Fast in jedem Felsblock befinden sich Kirchen, Kapellen, Essens- und Wohnräumlichkeiten.

Die Kirchen wurden auf zwei verschiedene Arten bemalt. Die eine Art besteht darin, dass die Felsoberfläche geglättet und dann bemalt wurde. Die zweite Art besteht in der Freskentechnik auf dem Fels. Die Themen dieser Bilder stellen gewöhnlich Szenen aus dem Leben Christi dar und stimmen mit den großen liturgischen Festen überein (Weihnachten, Ostern und Pfingsten). Im Freilichtmuseum Göreme befinden sich außerdem ein Frauen- und Männerkloster, die St. Basil Kapelle, die Elmali Kilise (Die Kirche mit dem Apfel), Kirche der Hl. Barbara, Ylanli Kilise (Die Kirche mit der Schlange), Karanlik Kilise (Die dunkle Kirche), Carikli Kilise (Die Kirche mit den Sandalen) und Tokali Kilise (Die Kirche mit der Schnalle).

  Das Kirchental von Göreme zählt seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Trotz der vielen Felsenklöster, -kirchen und -kapellen im Raum Göreme sind Unterlagen in Bezug auf die Baugeschichte nirgends zu finden. Die Datierung basiert auf der Fresken- und Bautechnik der Sakralbauten.

 

Karanlik Kilise (Die dunkle Kirche)

Die Kirche verdankt ihren Namen dem einzigen kleinen Fenster im Narthex, das nur sehr wenig Licht einlässt und dafür sorgt, dass es in der Kirche immer sehr dunkel ist.

Dieser Umstand brachte es allerdings auch mit sich, dass die Fresken dieser Kirche ausnehmend gut erhalten sind.

 

 
Nach dem Besuch des Kirchentales fuhren wir zur "Besichtigung" einer Töpferei nach Avanos. Ich fand, es dauerte ewig, bis endlich alle durchgeschleust waren und der letzte Unentschlossene gekauft hatte.
 
 

So erreichten wir - eher zufällig noch im Licht der untergehenden Sonne - das Tal der Männer, wo wir dann auch im Schnelldurchlauf noch Fotos machen konnten.

Es entstanden zwar stimmungsvolle Fotos, das Märchenschloss aus Tuff, das sich hier verbirgt, sah niemand. Die Zeit reichte einfach nicht aus, um es jemanden zu zeigen.

 
Denn: Wir mussten noch unbedingt in eine Onyx-Fabrik. Das Personal wartete extra auf uns. L

Ich hatte angeregt, am Abend doch eines der in den Tuff gehauenen Restaurants zu besuchen. Mir schwebte da ein Restaurant in Göreme vor, in dem ich bereits zwei Mal einen richtig tollen Folkloreabend erlebt hatte.

SELO schlug den Besuch des Lokals einer Bekannten vor. Na ja, warum nicht. Weniger als die Hälfte unserer Gruppe hatte Interesse.

Nach dem Abendessen fuhr Bahri uns in das Lokal. Es wird in der Tat von einer Frau geleitet. Cannan, eine ehemalige Bauchtänzerin, die heute nur noch für ihre Bekannten und gelegentlich für ihre Gäste tanzt. Wenn man sie beobachtet und vergleicht, bemerkt man recht schnell, dass sie ihr Leben nicht nur in Kappadokien verbracht hatte.

Im Hotel hatte SELO einen Freund getroffen. Ebenfalls Reiseleiter, ebenfalls sehr gut deutsch sprechend. Im Laufe des Abends erfuhr ich, dass er TUNC heißt. Er war mit seinem Fahrer ebenfalls mitgekommen.

Zum Pauschal - Angebot dieses Abends gehörte neben freien Getränken auch türkische Life-Musik.

Leider blieb das Lokal an diesem Abend weitgehend leer. Die Stimmung, die ich erwartet und erhofft hatte, kam nicht auf. Erst als Cannan begann, für uns zu tanzen, kam richtig Stimmung auf.

Ihre Darbietung hatte nichts mit dem "Bauchtanz" zu tun, der uns an der Riviera, der Ägäis und in Pamukkale vorgeführt wird. Hier war eine Könnerin am Werk. Absolut faszinierend.

 

 

Gegen 0.00 Uhr fuhr Bahri unsere Gruppe ins Hotel. SELO wollte mit TUNC noch bleiben. Da ich genau so wenig Lust hatte wie Ellen, den Abend jetzt schon zu beenden, blieben wir mit SELOS´s Einverständnis. Zurück sollte es mit dem Bus von TUNC gehen.

Es war noch recht lustig, zumal TUNC und SELO Storys aus Ihrem Leben als Reiseleiter erzählten.

Für die drei außer uns anwesenden Türken muss es so ausgesehen haben, als gehörten Ellen und ich zusammen. Irgend wann fiel mir auf, dass einer der Fremden versuchte, mit Ellen zu flirten und sie recht dreist anmachte. Als Ellen SELO darauf aufmerksam machte, konnten wir unseren Reiseleiter mit ungewohnter Mimik erleben. Auch TUNC und sein Fahrer waren plötzlich kampfbereit.

Und ich? Ich saß daneben, verstand kein Wort und konnte mit der Mimik der Anwesenden nichts anfangen. Begriff überhaupt nicht, was da vor sich ging.

SELO redete eine Weile mit dem angetrunkenen Provokateur und kam dann wieder zu uns an den Tisch. Es war eindeutig, dass er dem Fremden ein Ultimatum gestellt hatte. Zum Glück waren seine beiden Begleiter vernünftiger und überredeten ihn, mit ihnen das Lokal zu verlassen.

Wie brenzlich die Situation wirklich war, machte man mir erst später begreiflich.

So gegen 2.00 Uhr verließen wir das Lokal. Wir fuhren allerdings nicht sofort ins Hotel. Unsere Begleiter zog es in eine dieser Suppenküchen, die die ganze Nacht über geöffnet haben. Wo das war? Ich hab es nicht herausbekommen.

SELO UND TUNC animierten mich dazu, die gleiche Suppe zu essen, wie sie. Da ich Fan der türkischen Küche bin, kein Problem für mich. Es war eine milchige, dünne Suppe mit Fleischeinlage. Soviel konnte ich sehen. Der Geschmack? Na ja. Eine Suppentasse reichte. Schlucken musste ich dann aber doch, als mir TUNC erzählte, was sich alles in der Suppe befand. So ziemlich alle Innereien eines Hammels, inklusive Gehirn und wer weiß was noch alles. Nein, eine zweite Tasse wollte ich nicht.

Das Gespräch kam dann noch einmal auf die gerade erlebte Situation mit den Fremden. Dabei erfuhr ich, dass die türkischen Männer keinerlei Achtung vor deutschen Ehemännern oder Partnern von Frauen haben, da sie der Meinung sind, die europäischen Männer kümmerten sich zu wenig um ihre Frauen. Die freizügige Bekleidung der europäischen Frauen führt bei türkischen Männern ohnehin zu Missverständnissen, der weibliche Sex-Tourismus in den Urlaubshochburgen tut sein Übriges.

Jetzt begreife ich auch, wieso in den Hotels in den Ferienregionen die Animateure und Kellner trotz der Anwesenheit der Ehemänner offen mit deren Frauen zu flirten versuchen.

Wir werden gar nicht ernst genommen. Ellen meinte später, mein Gesichtsausdruck habe Bände gesprochen. Wer sagt´s denn: Reisen bildet.

 

Teil 12

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Lektorat: Ellen Seidel

Fotos: Gernot Fricke